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KI im Alltag junger Menschen: Vom Hausaufgaben-Helfer zum ständigen Begleiter
Für die Generation der 12- bis 19-Jährigen ist Künstliche Intelligenz längst kein futuristisches Konzept mehr, sondern ein selbstverständliches Alltagswerkzeug. Das belegt die aktuelle JIM-Studie 2025 eindrücklich: Innerhalb kurzer Zeit hat sich KI zu einem festen Bestandteil des jugendlichen Medienalltags entwickelt.
Die Hausaufgaben-Revolution
Besonders auffällig ist der Einsatz im Bildungsbereich: 74 Prozent der Jugendlichen nutzen KI-Anwendungen für Hausaufgaben oder zum Lernen – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr (2024: 65 Prozent). ChatGPT hat sich dabei bereits zum zweithäufigsten Recherche- und Informationstool nach klassischen Suchmaschinen entwickelt. Die Informationssuche via KI verzeichnete den stärksten Zuwachs – plus 27 Prozentpunkte auf nun 70 Prozent.
Interessanterweise vertrauen 57 Prozent der Jugendlichen den von KI gelieferten Informationen. Mehr als die Hälfte nutzt KI zudem, um sich komplexe Sachverhalte erklären zu lassen. Der rein spielerische Einsatz ("zum Spaß") ist hingegen leicht rückläufig.
Die Schattenseiten der Entwicklung
Die Studie zeigt jedoch auch alarmierende Tendenzen auf. 67 Prozent der Jugendlichen gaben an, im letzten Monat Fake News begegnet zu sein – ein Trend, der sich durch KI-generierte Inhalte noch verstärkt. Marc Jan Eumann, Direktor der Medienanstalt Rheinland-Pfalz, warnt: "Immer mehr Kinder und Jugendliche sind gefährlichen Inhalten im Netz ausgesetzt."
Das unveränderte Medienökosystem
Trotz der KI-Revolution bleibt das Smartphone der ständige Begleiter junger Menschen. Die durchschnittliche Bildschirmzeit liegt bei knapp vier Stunden täglich – mit steigendem Alter nimmt sie zu. Zwei Drittel der Jugendlichen (68 Prozent) fällt es schwer, die eigene Bildschirmzeit zu regulieren.
In der Kommunikation dominiert nach wie vor WhatsApp als wichtigste App. Neue Funktionen wie Kanäle, Communitys oder das integrierte KI-Tool Meta AI werden jedoch kaum regelmäßig genutzt. Im Ranking der Social-Media-Plattformen liegt Snapchat hinter WhatsApp und Instagram, aber noch vor TikTok.
Information über soziale Kanäle
Social Media dient Jugendlichen nicht nur der Unterhaltung: Ein Viertel der 12- bis 15-Jährigen und fast die Hälfte der 16- bis 19-Jährigen folgt Influencern, die sich mit aktuellen Nachrichten beschäftigen. Die dominierenden Themen sind Krieg, Klimawandel, Politik und die politischen Entwicklungen in den USA.
Die Offline-Herausforderung
Obwohl zwei Drittel der Jugendlichen Offline-Zeiten ohne Smartphone und Internet genießen, schaltet nur etwas mehr als ein Drittel das Gerät tatsächlich regelmäßig aus. Die ständige Vernetzung bleibt eine Herausforderung für die Selbstregulierung.
Die JIM-Studie wird seit 1998 jährlich vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs) durchgeführt und gilt als repräsentative Untersuchung des Medienverhaltens Jugendlicher in Deutschland. Für die aktuelle Ausgabe wurden 1.200 Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren befragt.
Die Studie zeigt deutlich: KI hat den Alltag junger Menschen bereits grundlegend verändert – als Bildungsinstrument, Informationsquelle und ständiger digitaler Begleiter. Die Herausforderung liegt nun darin, einen kompetenten Umgang mit diesen Werkzeugen zu fördern und gleichzeitig vor ihren Risiken zu schützen.
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